Feiern bis der Arzt kommt
So könnte das Motto der diesjährigen Loveparade lauten.
Natürlich ist die Überschrift makaber, aber sie soll zum Ausdruck bringen, was ich von der Veranstaltung als solches nach dem Unglück halte. Vor knapp 24 Stunden starben 16 Personen auf der Liebesparade in Duisburg, 342 wurden verletzt. 3 weitere Personen erlagen noch in der Nacht Ihren Verletzungen im Krankenhaus.
Nach ersten Untersuchungen war die Veranstaltung hoffnungslos überlaufen – statt der geplanten 500.000 Teilnehmer wurden lt. Medienberichten knapp 1,4 Millionen Besucher gezählt. Der Veranstalter hatte den Tunnel, sowie den Zu und Abgangsbereich in welchen das Unglück passierte, nicht mehr im Griff. 20.000 Personen pro Stunde hätten durch den Tunnel geschleust werden können – tatsächlich versuchten sich mehr als die 10fache Personenanzahl durch den Tunnel zu zwängen. Augenzeugen berichteten kurz nach dem Unglück, dass die Polizei bereits einige Zeit zuvor über die drohende Eskalation informiert wurde. Ordner wurden angeblich aufgefordert, die Sicherheitsschleusen trotz der bedrohlichen Lage nicht zu öffnen.
Was mich persönlich am meisten verärgert hat: Trotz der erschreckenden Bilanz an Verletzten und Toten, wurde das Festival offensichtlich weitestgehend wie geplant durchgeführt. Natürlich hätte ein harter, sofortiger Abbruch das Risiko einer weiteren Panik forciert – jedoch hätte die Veranstaltung auf anderen Wegen “sanft” beendet werden können. Dies war jedoch genau nicht der Fall – erst um 0:00 Uhr wurde – wie geplant, die Musik abgestellt. Um 03:00 Uhr – 10 Stunden nach dem Unglück verließen die letzten Feiernden den Ort des Geschehens, während andere Partygänger auf Anschlussveranstaltungen weiter feierten. Welch liebevoller Akt
Nachdem sich die Staatsanwaltschaft eingeschaltet hatte, wurde heute gegen 12:15 bekannt gegeben, dass das Konzept der Love Parade nicht weitergeführt wird…. – gut so, der Name passt ja nun leider auch nicht mehr. Wer die Nasen in den TV Berichten kurz nach dem Unglück gesehen hat, welche im Hintergrund noch in die Kameras reinkasperlten, der muss sich fragen, ob nicht ein Großteil der Besucher an vorübergehend konsumierten Realitätsverlust gelitten hat.
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